*Macadam* enthält elf Kurzgeschichten, von denen keine länger als 20 Seiten ist.
#1: Macadam
Mathilde ist Kassiererin in einem Mauthäuschen (das titelgebende Nr. 12). Seit ein paar Monaten flirtet ein bestimmter
Autofahrer mit ihr und hat sie nun zum Essen eingeladen. Mathilde weiß nicht, ob sie den Mut hat, die Verabredung einzuhalten
- sie sitzt nämlich seit einem Unfall im Rollstuhl, was natürlich nicht zu sehen ist, wenn sie in ihrem Häuschen
ist. Als sie endlich das Restaurant "betritt", bricht der junge Mann in Gelächter aus - und als Mathilde schon die Flucht antritt,
erkennt sie, dass er lacht, weil auch er Rollstuhlfahrer ist.
#2: In Nomine...
Pater Duchaussoy sitzt eine weitere ermüdende Beichtstunde ab. Das Verlangen wird immer größer, nach dem
Gegenstand zu greifen, mit dem er schon des öfteren die Langeweile vertrieben hat. Schließlich wird die Versuchung
zu groß und er holt den Gameboy aus seiner Tasche und beginnt, Tetris zu spielen...
#3: Nebel
Der namenlose Ich-Erzähler dieser Kurzgeschichte ist seit zwölf Jahren im Seniorenheim Glyzinienhof. Er berichtet
über den Nebel, der sich hier so weit weg vom Süden über alles zu legen scheint, über das Frühstück
und dass immer wieder Bewohner von ihnen gehen - diesmal Marcel Garnier, den er darum beneidet.
Erst auf der letzten Seite entdeckt der Leser, das der 102-jährige Erzähler den Toden seiner Mitbewohner
regelmäßig mit einem wohlplazierten Kissen nachhilft...
#4: Der Sternengarten
Hauptfigur in dieser Geschichte ist ein sechsjähriger Junge, dem im Jahr 1969 gesagt wird, dass sein Vater nun "im Himmel"
ist. Als er in der Zeitung ein Foto von einem Schuhabdruck von der Mondladung entdeckt und das mit der Tatsache verbindet,
dass die Stiefel seines Vaters nicht mehr da sind, ist er von da an überzeugt, dass dieser jetzt im "Sternengarten" ist und von
Stern zu Stern springt.
#5: Menu à la Carte
Ein zum Tode Verurteilter isst seine Henkersmahlzeit. Erst Schnecken - wie die Schnecken, die er als Kind für sein Terrarium
gesammelt hat und die sein Vater dann gekocht und ihn gezwungen hat, sie zu essen. Dann Kaninchen. Wie die Kaninchen, die
er als Junge als Haustiere hatte und die sein Vater jedes Mal ausgeweidet und auf den Tisch gesetzt hat. Zuletzt Leber. Wie die
Leber der jungen Frauen, die der Verurteilte erst getötet und dann das Organ verspeist hat - dabei denkend, wie stolz sein
Vater auf ihn gewesen wäre.
#6: Ihr Heiligtum
Die Klofrau Arrenza Calderón versieht ihren Dienst seit 36 Jahren in den Toiletten der Stierkampf-Arena. Sie hätte andere
Jobs annehmen können, ist aber stets geblieben. Und an jedem 25. Juni macht sie sich schick, verstreut etwas Sand in der
sonst immer versperrten Kabine Nr. 8 und denkt an ihren Esteban, der sie in dieser Kabine vor 36 Jahren geliebt hat, bevor ihn ein
Stier auf seine Hörner genommen hat...
#7: Die Birke
Die Kompanie eines jungen Soldaten geriet während des Krieges in Polen in ein Kreuzfeuer. Der junge Mann klammerte sich
an einen Baum und hatte das Gefühl, seine Seele mit der Birke zu vereinen, um dem Grauen zu entkommen, dann wird er von
einem Granatensplitter getroffen. Als alter Mann kehrt er in den Wald zurück. Die Geister seiner toten Kameraden führen
ihn während eines Unwetters zu dem richtigen Baum. Er umarmt ihn, dann wird er von einem Blitz getroffen und seine Seele
verbindet sich für immer mit dem Baum.
#8: Der Alte
Émile Monestier hat schon als Kind die Fähigkeit gehabt, aus der Schrift eines anderen dessen Charakter herauszulesen und
die Offenheit und Grausamkeit, mit der er seine Urteile verkündet hat, hat ihn schon damals zum Außenseiter gemacht. Als
alter Mann, seine eigenen Hände zittern längst zu sehr, um selbst etwas niederschreiben zu können, hat er die
Angewohnheit, jeden Samstag die Markthallen nach handschriftlichen Einkaufszetteln zu durchkämmen - immer auf der Suche
nach der Handschrift, die von dem Schreiber mit dem teuflischsten Charakter stammt.
Doch auch diesmal ist seine Suche umsonst und voller Wut gerät er in einen wahren Zerstörungsrausch und demoliert
seine Wohnung. Bis er zufällig eines seiner alten Diktathefte in die Hand bekommt - dort findet er endlich die Handschrift, nach
der er so lange gesucht hat!
#9: Heftpflaster
Ein achtjähriges Mädchen wird von Engeln in ihrem Kopf und einem nächtlichen grünhäutigen Monster
geplagt. Sie erzählt niemandem davon - ihr einziger Vertrauter ist ihr Adoptiv(?)-Vater. Erst auf der letzten Seite wird klar, dass
das Monster kein Hirngespinst ist, sondern der Vater, der das Mädchen nachts (in einem Kostüm?) missbraucht.
#10: Moskito
Ein Trompeter verlässt fluchtartig die Stierkampf-Arena. Ein berühmter Matador wurde tödlich von einem Stier erwischt.
Der Trompeter ist davon überzeugt, dass er daran Schuld ist, weil er in der entscheidenden Sekunde einen Misston gespielt
hat. Weil ein zerquetschter Mosquito auf seinem Noteblatt aus einem F ein Fis gemacht hat.
#11: Zeitlos
In einem Dorf stehen zwei Kirchtürme - einer der katholischen Kirche und einer der evangelischen Kirche. Bisher gingen die
Uhren auf den Türmen immer gleich, doch jetzt unterscheiden sie sich plötzlich um zehn Minuten. Und das ganze Dorf
dreht ab, weil jede Partei auch mit Gewalt darauf beharrt, dass ihre Uhrzeit die richtige ist. Bis es dem alten Totengräber
zu bunt wird und er des Nachts heimlich die Zeiger beider Uhren abmontiert und vergräbt...